Der Geburtenjahrgang 1935/36

Ein Geburtenjahrgang im Wandel der Zeit

Es ist zwar nur ein kurzer Beitrag, aber dennoch versuche ich, selbst zu diesem Jahrgang gehörend, einige Aussagen zu diesem Jahrgang zu machen. Es ist eine Generation der heute über 80-zig Jährigen. Dabei geht es nicht um einzelne Lebenswege, sondern es geht um die Gesamtheit der Geschichte dieser Generation, die zum größten Teil ihre Wurzeln in Laage hatte.

Nachdem wir unsere Kinderzeit, im Hause unserer Eltern, glücklich beendet hatten und auch einige von uns die Kindergartenzeit erleben durften, kam das Jahr 1942, das Jahr unseres Schulbeginns. Mit 6 bzw. 7 Jahren begann für uns ein neuer Lebensabschnitt. Auch ich erlebte eine wunderbare Kindergartenzeit. Der damalige Kindergarten befand sich in der St.- Jürgen – Straße, im Eckhaus zur heutigen Schulstraße. Es war damals der einzige Kindergarten der Stadt Laage. An irgendwelche Modalitäten, wie Trägerschaft und Nutzungsmöglichkeiten kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß nur noch, dass zum Haus ein wunderbarer Spielplatz gehörte und der von uns bei gutem Wetter genutzt wurde. Im Nebenhaus in Richtung der heutigen Schulstraße wohnte eine Familie Hoffmann. Frau Hoffmann, die mir von meiner Mutter als Patentante benannt wurde, führte die NS-Frauenschaft in Laage an und ihr Mann war Chef der damaligen Raiffeisengenossenschaft. Ihr am Kindergarten angrenzendes Haus war durch eine Mauer getrennt. Sie war zwar hoch, aber für uns nicht hoch genug, um nicht auch auf dieses Grundstück schauen zu können und dabei blieb es dann natürlich nicht aus, dass wir auch miteinander plauderten. Sie war eine gesprächige Frau mit gesundem Humor.

In der Kindergartenzeit lernte ich schon frühzeitig einige meiner späteren Freunde kennen, und zwar zunächst meine Spielfreunde aus der unmittelbaren Umgebung. Das waren Horst Siggelkow, Dieter Baade, Jürgen Buhk, Harry Peters und die Mädchen Inge Völker, Ursula Awe und Annemarie Wilken und später kam dann mein langjähriger Freund Gerhard Ahrens dazu, mit dem ich über viele Jahre in enger Freundschaft verbunden war. Über unsere gesamte Schulzeit und noch bis ins hohe Alter pflegten wir eine enge freundschaftliche Beziehung, die dann leider einen Riss bekam und in die Brüche ging. Seit einigen Jahren wohnt er mit seiner Familie in der Steiermark und genießt dort seinen Lebensabend.

Der Geburtenjahrgang 1935/1936 ist, wie sich auch im weiteren Verlauf meiner Ausführungen noch zeigen wird, ein besonderer Jahrgang, denn dieser Jahrgang erlebte in seiner Jugendzeit und überhaupt in all den weiteren Jahren viele geschichtliche Ereignisse, so den Beginn und das Ende des II. Weltkrieges, die schweren Nachkriegsjahre, den Anfang und das Ende der DDR und die deutsche Wiedervereinigung. Darunter waren schwere, aber für alle auch erkenntnisreiche Zeiten. Es waren Zeiten großer Entbehrungen und harter Schicksalsschläge. Viele Familien warteten auf die Rückkehr der Väter und Söhne aus dem Krieg und hofften auf ein Wiedersehen mit Mitgliedern der durch Flucht und Vertreibung getrennten Familien. Auch die nachfolgenden Jahre waren für einige von uns Hoffnung und Enttäuschung zugleich, ebenso, wie jeder von uns seinen Platz in der neuen Gesellschaft gefunden hatte.

Doch nun zurück in unsere Jugendzeit. Diese Zeit fällt in die ersten Jahre des II. Weltkrieges. Noch bis zum Kriegsbeginn merkten wir Kinder kaum etwas von dem, was noch auf uns zukommen sollte. Im Gegenteil, die Ereignisse in unserer Kindheit hatten für uns, soweit wir sie überhaupt begriffen hatten, kaum beängstigende Momente. Unsere Eltern, so auch meine Mutter und mein Vater, träumten von einem kleinen Häuschen mit Garten. Ein ganz bescheidenes Eigenheim sollte es sein, dass man so für etwa 10000 bis 24000 Reichsmark erhalten konnte, aber auch nur dann, wenn man als kinderreiche Familie galt. Mit meiner Geburt wurde diese Bedingung erfüllt, denn wir waren nun eine 6köpfige Familie. Obwohl meine Eltern damals, ich weiß es von späteren Erzählungen her, von einem Bauplatz in der heutigen Goethestraße bzw. in Laage – Pinnow sprachen, kam es aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr zu diesem Bau.

Im Jahre 1942, im ersten Jahr der großen Bombenangriffe auf Rostock, erfolgte unsere Einschulung im neuen Schulgebäude neben der Post in der Wilhelmstraße (heute Straße des Friedens ). Dieser im Jahre 1895 errichtete Bau war für uns das erste Schulgebäude, das wir bezogen. Danach folgten Schulklassen in den Gebäuden der Korffschen Villa und im alten Schulgebäude gegenüber der Kirche. Im Schulgebäude neben der Post wurden wir also im Spätsommer 1942 eingeschult.

Nach einem zeitgemäßen Begrüßungszeremoniell auf dem Schulhof gingen die Einzuschulenden, noch ängstlich und schüchtern, in den meisten Fällen an der Hand ihrer Mütter, in die Klassenräume, getrennt nach Jungen und Mädchen. Unter einem Wandbild des Führers Adolf Hitler wurde dann die erste Stunde absolviert. Nach dem ersten Probesitzen miteingehen der Belehrung über den Ablauf des Unterrichts und der Pausengestaltung wurden wir wieder vom Elternteil übernommen und ab ging es wieder nach Hause. Für den Nachhauseweg wurden wir noch belehrt, wie wir uns bei Fliegeralarm zu verhalten haben, denn um die Mittagszeit heulten ab 1942 jeden Tag die Sirenen und verkündeten Luftangriffe auf Rostock. Über unsere Kleinstadt Laage hinweg flogen dann die britischen und amerikanischen Bomberverbände, deren Flugzeuge in der Mittagssonne blitzten. Wir blieben aber verschont vom Abwurf der Bomben. Ihr Ziel waren u. a. die Heinkelflugzeugwerke in Rostock und Teile der Innenstadt.

Eingeschult wurden 33 Jungen. Dazu kamen, ermittelt nach Umfragen unter den heute noch lebenden Schülerinnen, noch 18 Mädchen. Somit nahmen damals 51 Schülerinnen und Schüler den Schulbetrieb auf.

Das erste Versetzungszeugnis gab es im Sommer 1943. Es war ein Zeugnis ohne Zensuren. Es gab nur eine schriftliche Einschätzung. Für die Bewertung der Leistungen galten folgende Leistungsstufen: Sehr gut, Gut, Befriedigend, Ausreichend, Mangelhaft und Ungenügend. Die Führung und Haltung der Schüler wurde mit folgenden Noten bewertet: Sehr gut, Gut, im Ganzen befriedigend.

Mit dem nahenden Ende des II. Weltkrieges wurde bereits Ende April 1945 die Schule geschlossen. Danach folgten für uns schlimme Wochen und Monate. Jeder von uns erlebte diese Zeit in vielfältigster Art und Weise, deshalb folgen diesbezüglich auch nur ganz persönliche Erinnerungen.

Das Schlimmste, was ich erlebte, war die Hinrichtung des Vaters meines späteren Spielfreundes Horst Bockholt aus der Straße neben der Kirche. Wir mussten damals zum Marktplatz, um Zeuge dieser Hinrichtung zu sein. Mehrere Tage mussten wir den Anblick erdulden. Und noch ein zweites Ereignis sitzt aus heutiger Sicht betrachtet noch in tiefer Erinnerung, und zwar wurde mein Vater „abgeholt“ und gemeinsam mit Max Bremer ins Lager nach Neubrandenburg gebracht. Gott sei Dank konnte beiden keine NS-Untaten nachgewiesen werden. So kehrten sie zu Fuß nach Laage zurück und bekamen von der Kommandantur den Auftrag, das Dachziegelwerk der Firma Katze und das Sägewerk von Max Bremer wieder betriebsfähig zu machen. Sie taten das mit großem Erfolg. Für meinen Vater war das aber sein Todesurteil, denn die tägliche Einatmung von Zementstaub verursachte bei ihm eine nicht mehr heilbare Staublunge. Über die Krankenstationen im benachbarten Güstrow und Schwaan, verstarb er dann zu Hause am 1. 12. 1948 im Alter von 48 Jahren. Da meine Mutter eine Verlegung nach Matgendorf, in die damalige „Endstation“ nicht zuließ, wurde ich für fast drei Monate in ein Kinderheim nach Neu Sammit bei Krakow am See verschickt. So wurde ich mit fast 13 Jahren Halbwaise. Für mich und besonders für meine Mutter begann eine schwere Zeit, denn meine beiden erwachsenen Brüder waren noch in Kriegsgefangenschaft und konnten somit nicht zum Unterhalt der Familie beitragen. Deshalb hier an dieser Stelle ein ganz besonderer Dank an meine Mutter, damals in Laage bekannt unter „Mutting Dahl“, für ihr unermüdliches Wirken, ob in der damaligen Konsumkaffeestube oder in der Gaststätte „Hotel Stadt Brandenburg“. Sie sorgte dafür, dass ich zur Oberschule gehen konnte und ein fünfjähriges Studium an der Uni in Rostock absolvieren konnte.

Bis der Schulbetrieb wiederaufgenommen wurde, dauerte es dann noch bis September/Oktober 1945. Erst dann waren die Mindestvoraussetzungen geschaffen, um den Schulbetrieb wieder durchführen zu können. Ganz abgesehen von neuen Lehrmitteln mussten neue Lehrer gewonnen werden, die frei waren von nationalsozialistischer Gesinnung und es mussten weitere Schulräume erschlossen werden, weil Klassenräume im neuen und alten Schulgebäude noch für andere Zwecke genutzt wurden. In diesem Zusammenhang wurde auch das linke und rechte Gebäude der Korffschen Villa für Schulzwecke hergerichtet.

Waren wir zum Schulbeginn 1942 insgesamt 51 Schüler, so waren es beim Neustart im Herbst 1945, gemessen an den Schülerzahlen der Klassen: 5a mit 47 Jungen, 5b mit 39 Mädchen und 5c mit 13 Jungen und 13 Mädchen insgesamt 112.

Die enorme Zunahme in unserem Altersbereich kam zustande, weil sehr viele Kriegsflüchtlinge und Umsiedlerfamilien in Laage und Umgebung sesshaft wurden. Mit einer Gesamtschülerzahl von 112 nahmen wir unsere letzte Etappe in Angriff und beendeten sie im Jahre 1951. Die Schulzeit beendeten wir mit etwa 35 Jungen und etwa 39 Mädchen. Die Aufzählung mit „etwa“ deshalb, weil einige Schüler die Schule bereits nach Beendigung des I. Halbjahres aus Gründen der weiteren beruflichen Entwicklung verließen.

Aber so einfach, wie sich die Geschichte bis hier darstellt, verlief die Zeit zwischen der Wiederaufnahme des Schulbetriebes und bis zum Abschluss 1951 nicht. Innerhalb dieser Zeit, wir waren alle etwa 15 bis 16 Jahre alt, wurden wir von drei Jugendbewegungen tangiert. Das im Frühjahr 1945 erkennbare Ende des II. Weltkrieges bewahrte uns vor der Aufnahme in die nationalsozialistische Jugendbewegung, denn das Eintrittsalter in das „Deutsche Jungvolk“ und in den „Jungmädelbund“ lag bei 10 Jahren. Mit 14 Jahren wurde man Mitglied der Hitler-Jugend (HJ) und Mitglied im Bund Deutscher Mädel (BDM). Letzteres kam für uns ohnehin noch nicht in Frage.

Damit gelangte unser Jahrgang noch nicht in die Zwänge der nationalsozialistischen Jugenderziehung, obwohl das Interesse bei einigen vielleicht schon vorhanden war, denn, wenn die Fanfarenzüge der HJ aufzogen, dann waren auch viele von uns zur Stelle, um irgendwie dabei zu sein. Auch verfolgten viele von uns die nach Dienstplänen gestalteten Übungen zur Wehrertüchtigung auf dem Judenberg. Der Judenberg mit seiner Umgebung war dafür ein ideales Gebiet. Aber und „Gott sei Dank“ wurden wir letztendlich nicht mehr für diese Dinge verpflichtet, so ist jedenfalls meine heutige Meinung.

Aber bereits nach Kriegsende traten neue Jugendbewegungen auf den Plan, die uns für sich gewinnen wollten. Zunächst einmal mit dem Ziel, uns durch sinnvolle und gemeinsame Freizeitgestaltung von der Straße zu holen, aber auch, um uns ideologisch zu beeinflussen. Die sogenannte „Kinderlandbewegung“ war die erste Organisation die wiederbelebt wurde. Es war eine von den bislang verbotenen Parteien SPD und KPD unterstützte Organisation. Persönlich erinnere ich mich noch an ein Weihnachtsfest, es muss bereits 1945 gewesen sein, zu dem die Bewegung in die Henningsmühle eingeladen hatte. Ein geschmückter großer Tannenbaum und weiße und schwarze Pfeffernüsse bewirkten eine weihnachtliche Stimmung und ließen die schwere Zeit ganz einfach vergessen. Weihnachtslieder und ein Weihnachtsmann taten ein Übriges.

Kaum hatte sich diese neue Bewegung jedoch richtig entfacht, wurde sie bereits am 07.03.1946 durch die Gründung der Freien Deutschen Jugend (FDJ), zwar noch nicht ersetzt, aber bereits in Frage gestellt. Am 12.12.1948 entstand dann aus der Kinderlandbewegung der Verband der „Jungen Pioniere“. Ob ich oder andere Jungen und Mädchen aus unserem Jahrgang noch in die Pionierorganisation eingetreten sind, kann ich heute gar nicht mehr so richtig nachvollziehen, denn mit dem Schuljahr 1949/1950 begann auch für uns der Konfirmandenunterricht in Vorbereitung der Konfirmation. Der Konfirmandenunterricht/Religionsunterricht erfolgte einmal in der Woche, streng getrennt nach Jungen und Mädchen, nach dem Schulunterricht im Küsterhaus oder später, unmittelbar vor der Konfirmation, in der Sakristei.

Parallel zum Religionsunterricht begann um diese Zeit, vielleicht auch schon etwas früher, für einige Jungen und Mädchen von uns, die Mitgliedschaft in der „Jungen Gemeinde“, einer Organisation der Evangelischen Kirche. Von der Öffentlichkeit damals auch als Kugelkreuzler bezeichnet. Sie trugen als Erkennungsmerkmal eine kleine Weltkugel mit einem befestigten Kreuz als Anstecknadel. Diese Gemeinschaft wurde in der Öffentlichkeit verschrien und ihre Veranstaltungen wurden mit Misstrauen beobachtet. Wir Jungen, die Mitglieder unseres Jahrgangs, verdanken es, insbesondere Herrn Ingenieur Schmidt, dass wir in dieser Zeit der Zugehörigkeit großartige Tage, Wochen und Monate miteinander verbrachten. Herr Schmidt vermittelte uns viele Lebenserfahrungen und Erkenntnisse, die auch für unser Leben nützlich waren. Neben der Durchführung von Bibelstunden wurden Freizeitspiele, Krippenspiele, insbesondere zu den Weihnachtsfesttagen und Ausfahrten in andere Kirchengemeinden organisiert und durchgeführt.


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Während der Schulferien wurden auch Freizeitcamps, wie zum Beispiel 1950 in Wustrow an der Ostsee organisiert. Wir waren hier Gäste der Kirchgemeinde. Unsere Schlafstätte war auf einem Strohboden im Bereich des Pfarrhauses. Im Pfarrhaus der Gemeinde wurden wir versorgt und für Bibel- und Spielstunden nutzten wir die Gemeinschaftsräume. Bei gutem Wetter lagen wir am Strand bzw. segelten mit einem Zeesenboot auf dem Bodden und ließen uns den Wind um die Ohren wehen.

Ein Besuch bei der Schriftstellerin Käthe Miethe wurde für uns Jungen zu einem besonderen Erlebnis, denn sie erzählte uns ernsthafte und spaßige Geschichten über Wustrower Kapitäne, die sie in ihrem neuesten Buch beschrieben hatte.


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Einen Besuch in der Wustrower Kirche beendeten wir mit einer Kirchturmbesteigung. Diesen einmaligen Rundumblick genossen wir in vollen Zügen. Fast 50 Jahre später nutzten einige von uns einen erneuten Aufstieg, nämlich an dem Tag, als wir bei einem Klassentreffen auf der „Datsche“ bei Ingrid Behrmann weilten.


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Unsere Zeit in der Jungen Gemeinde verlief in guter Obhut von Menschen, die davon beseelt waren, junge Menschen auf Dauer für die Kirche zu gewinnen. Zu diesen Menschen zählten neben Herrn Schmidt auch Frau Stenkewitz, die sich für die Mädchen engagierte. Doch nicht bei allen verlief der weitere Werdegang im Sinne der Kirchenzugehörigkeit, sondern, wie auch bei mir selbst, ich wurde abtrünnig und verließ diese Gemeinschaft im Interesse meiner weiteren persönlichen Entwicklung. Es war aus damaliger und heutiger Sicht betrachtet eine schöne Zeit gewesen, für die ich heute noch einmal Dankeschön sage.

Wie bereits geschrieben, endete im Monat Juli 1951 unsere Grundschulzeit. Mit dem Zeugnis der 8. Klasse verließen wir die Grundschule in Laage. Ein Jahr vorher, und zwar am 02.04.1950, wurden wir konfirmiert und somit in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen.

Doch bevor wir diesen Schritt vollzogen, gab es noch einen interessanten Zeitabschnitt. Es war die Zeit der Cliquenbildung. Mädchen und Jungen getrennt, aber auch als Gruppe gemischt, bildeten sich. Sie hatten und verfolgten gemeinsame Interessen, tauschten Erlebnisse aus und tuschelten kräftig untereinander. So wurde auch so manches „Gerücht“ bewusst oder unbewusst verbreitet, weil ja das Thema „Mädchen“ oder „Jungen“ nicht ausgeschlossen wurde.


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Die „Clique“, ob aus zwei oder mehreren Personen bestehend, war auch die Größenordnung, die sich zum Kinobesuch am Sonnabend, Sonntag oder Montag traf. Alleine ging man selten ins Kino. Ein Kinobesuch in Laage war schon ein besonderes Erlebnis. Nicht nur wegen der Filme, die nach Kriegsende und in den 1950er Jahren gezeigt wurden, sondern die besondere Atmosphäre die im Laager Kino herrschte, machte daraus ein Erlebnis. Ein Vergleich zum damaligen Filmpalast „Capitol“ in Rostock, den wir ja in dieser Zeit mit der Klasse 8 besuchten, war zwar möglich, aber da waren wir quasi mit unserem Kino in Laage chancenlos. Das Laager Kino war spartanisch einfach, ja man kann sogar sagen, es war erbärmlich. Die Ausstattung, untergebracht in einem Stall ähnlichen Gebäude, bestand aus Holzklappstühlen, vom ersten bis zum letzten Platz. Die ersten 5 oder 6 Reihen auf beiden Seiten des Eingangs hatten eine leichte Polsterung. Die beiden letzten Reihen unten waren unbefestigte Holzbänke ohne Rückenlehne. Der untere Ausgang/ Fluchtweg führte vorbei an Toiletten ähnlichen Einrichtungen. Wobei für Jungen und Männer eine ganz einfache Lösung bestand. Es gab nämlich eine kleine Überdachung mit einer etwa 2 Meter langen und 50 cm hohen Holzrinne, mit leichtem Gefälle und Abfluss zum Misthaufen.

Im Zuschauerraum befand sich auf der linken Seite des Raumes etwa in 2 m Höhe ein abgetrennter Raum für die Filmvorführgeräte. In der Wand befanden sich einige kreisrunde Öffnungen aus denen die Bilder des Films und der Ton den Weg bis zur Leinwand nahmen. Aus einem dieser Öffnungen ertönte dann auch die Stimme von „Kino“ Milhahn mit einem Lärmgerät, um die Besucher zur Ruhe aufzufordern und das folgte nach jeder Unterbrechung, denn nach Ablauf einer Filmrolle wurde die Vorstellung unterbrochen, eine neue Rolle aufgelegt und weiter ging es. Die Filmvorführung begann mit einem Gong und endete meistens nach 2 Stunden. Gezeigt wurden Filme aus der damaligen Sowjetunion, Ufafilme aus der NS-Zeit und erste DEFA – Filme.

Wie der Zufall es will, in diesem Moment als ich dabei war, diese Erinnerungen aufzuschreiben, erschien ein Zeitungsartikel im Laager Regionalanzeiger mit dem Titel: In Laage gab es auch einmal ein Kino“. Es war ein Beitrag von Maria-Luise Heller, in Laage bekannt auch als „Ria Flanse“, zur Familie von Wilhelm Milhahn gehörend. Diese kleine Erinnerungsgeschichte über das Kino „Kammerlichtspiele Laage“ gehört einfach zur Geschichte der Stadt Laage.

Für mich und für unseren Jahrgang gibt er auch eine Antwort auf die Ursachen und Gründe für den damaligen Zustand. Im genannten Beitrag heißt es dazu:

„Meine Großeltern wollten das Kino modernisieren, aber bis 1939 fehlte das Geld. Dann kam der 2. Weltkrieg und es gab keine Baugenehmigung mehr, weil das Kino ja nicht kriegswichtig war. Nach dem Kriegsende mussten erst Filme für die sowjetischen Soldaten vorgeführt werden. Dann wurden 1945/1946 alle Kinos in der sowjetischen Zone enteignet, weil sie zu den Propagandamitteln zählten. In den Jahren 1950- 1959 wurde dann das Kino, welches schon von fremden Leuten geführt wurde, von der Verwaltung in Schwerin umgebaut und vergrößert.“

Neben der Kino- und Sportclique, letztere bestand u.a. aus Günter Gaevert, Gerhard Ahrens, Gerd Pense, Ernst-August Dahl, Manfred Grützner und Fritz Weidemann, gab es noch eine Gruppe mit Günter Kempke, Kurt Roß, Gerd Kress, Rudi Burr und Dieter Hagemann, die aktiv bei der FFW Laage mitmachten. Später kam auch noch Klaus Scholz dazu, der noch bis zu seinem Ableben im Jahre 2015 ein Ehrenamt bei der Feuerwehr in Laage innehatte.

Dieter Hagemann, auch zur Jugendgruppe der Feuerwehr in Laage gehörend und heute in Güstrow beheimatet, ist zurzeit immer noch mit einem Ehrenamt bekleidet und das schon nunmehr seit fast 20 Jahren. Über 65 Jahre schon ist er ein leidenschaftlicher Angehöriger der FFW. In der Jugendgruppe in Laage musste er sich noch von Heini Schwießelmann sagen lassen:

„Got mal irst een half Johr up dei Wisch, dan könnt ji mitreden“.

Die Ausbildung war sehr intensiv und war für Dieter Hagemann, der 1954 seine Lehre bei der Firma Hahn beendete und mit seiner Familie nach Güstrow zog, eine gute Grundlage auch hier bei der Feuerwehr weiterzumachen. Durch gezielte Weiterbildungslehrgänge war er dann von 1965 bis 1968 in der Wehrleitung für Einsatz und Ausbildung tätig. In seinen Erinnerungen schreibt er:

„Im Jahre 1968 wurde ich durch den Rat des Kreises in die Wirkungsbereichsleitung für Güstrow Land berufen. Von 1974 an war ich in der Wehrleitung der FFW Güstrow tätig. Mein größter Einsatz war am 06.10.1968. An diesem Tag kam es in Langhagen zum großen Zugunglück, ein D-Zug und ein Kieszug kollidierten damals. Ich besuchte weitere Speziallehrgänge und wurde Zugführer beim Technischen Zug der Brandschutzzüge im Kreis Güstrow. Mein Dienstgrad war zu der Zeit Hauptbrandinspektor. Nach der Wende passten wir uns an und so war ich nunmehr Hauptbrandmeister. Im Zuge der Wiedervereinigung habe ich dann mitgewirkt, mit Feuerwehren im vereinten Deutschland und im benachbarten Deutschland Kontakte zu knüpfen, um Erfahrungsaustausche zu organisieren und neue Techniken auszuprobieren. Im Jahre 1999 beendete ich meinen aktiven Einsatz und bin nun auf dem Gebiet Historik und Museumsarbeit tätig. Es kam zur Bildung eines Feuerwehrmuseums in Lohmen, das ich heute noch betreue. Weiterhin übernahm ich die gesamte Seniorenarbeit im Landkreis Güstrow. Auch für den 2011 neu gegründeten Feuerwehrverband Güstrow/Doberan bin ich bis zum heutigen Tag Seniorenbeauftragter für den Verband.“


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65 Jahre lang ist Dieter Hagemann, ein zeitweilig in Laage wohnender Junge, nunmehr bereits ehrenamtlich in der Feuerwehr tätig, immer dem Leitspruch der Musketiere folgend, nämlich: „Einer für alle, alle für Einen.“

Die Wertschätzung seiner langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit zeigt sich in den vielen Ehrungen und Auszeichnungen. So erhielt er während seiner Tätigkeit folgende Auszeichnungen: Medaille für treue Dienste in Bronze, Silber und Gold, das Brandschutz Ehrenzeichen in Gold, das Brandschutz Ehrenzeichen in Gold für 40jährige treue Pflichterfüllung, das Brandschutz Ehrenzeichen der Sonderstufe, das Ehrenzeichen am Bande für 60jährige Mitgliedschaft in der Feuerwehr, das Ehrenzeichen für Wehrhistorik, das Deutsche Feuerwehr Ehrenkreuz in Gold und Ehren- und Verdienstmedaillen anderer Feuerwehrverbände.

Zwei „Feuerwehrlegenden“ gingen also aus unserem Jahrgang hervor, die immer bereit waren andere Menschen aus feuergefährlichen Situationen zu retten. Nicht zu vergessen sind auch die Zeiten, wo unser Jahrgang, gerade 18 Jahre alt geworden, die Tanzabenden in Laage eifrig besuchten. Entweder im damaligen Konsumsaal oder wie wir sagten: „Unten in Stadt Brandenburg“. Tanzveranstaltungen gab es in vielfältiger Art und Weise. Entweder waren es die Gaststätten selbst, die zum Tanzen einluden oder es waren Vereine, die zu Jahresfeiern bzw. zu Jubiläen einluden. Rückblickend sei zur Ehre unserer Mädchen gesagt, so wie wir Jungen uns dort „rumtrieben“, taten es unsere gleichalterigen Mädchen nicht.

Nach der Grundschulzeit begann die Zeit der Berufsausbildung. Einige gingen in die Lehre, einige besuchten die Oberschule in Bützow und Rostock und einige begaben sich in die weite Welt. Jeder schmiedete sein eigenes Glück und schrieb damit auch seine eigene Geschichte. Es gab damals zwei Wege für unsere weitere Entwicklung, entweder wir akzeptierten die Möglichkeiten der Berufsausbildung in der DDR oder man verließ die DDR in Richtung Westen. Das Erlernen eines Berufes war zu jener Zeit für Jungen noch relativ leicht, denn handwerklicher Nachwuchs war überall gefragt. Das Lehrstellenangebot für Mädchen war hingegen weitaus geringer. Besonders fehlten Ausbildungsplätze für kaufmännische und medizin- technische Angestellte. Um derartige Berufe zu erlernen, musste man schon in den Großstädten der Umgebung Ausschau halten. Und so bleibt letztendlich festzuhalten, dass besonders viele Mädchen ihre Geburts- bzw. Heimatstadt Laage verließen. Sesshaft in Laage wurden einige wenige, wie die noch heute hier lebenden: Inge Lührmann, geb. Völker, Inge Niemann, geb. Rüttgardt, Erika Weigel, geb. Bandlow, Sigrid Abs, geb. Mania, Hannelore Bohnhoff, geb. Wegner, Brunhilde Görbig, geb. Groll, Ursula Frontzek geb. Sill, Ingrid Richter, geb. Dohse und Dietlinde Hüneburg, geb. Franke.

Einige weitere Mädels wohnen heute in Rostock: Hilde Eichen, geb. Vick, Hanna Brumberg, geb. Pries, Gerlinde Lohse, geb. Nothnagel, Giesela Plitt, geb. Hein, Hildegard Lange, geb. Schulz, Ingrid Behrmann, geb. Gosselck, Ingrid Schmieder, geb. Witte und Traude Wegner, geb. Berndt.

Außerhalb von Laage und Rostock wohnen: Hertha Stuhr, geb. Schröder, Eva-Maria Roman, geb. Ditschkowski, Hildegard Stern, Ursula Block, geb. Eggers, Ursula Stichert, geb. Awe, Susanne Graf, geb. Lehmann, Leonore Budak, geb. Lüdtke, Marianne Kellermann, geb. Berndt, Dora Schulz, geb. Selke, Gisela Masa, geb. Rutter und Ruth Martha, geb. Sommerfeld, Hanna Dempzin und Hanni Kaul.

Es ist möglich, dass auch einige der zuletzt genannten uns bereits für immer verlassen haben. Mit diesen genannten Mädels schließt sich jedoch ein großer Kreis derer, die zum Geburtenjahrgang 1935/1936 gehören. Sollten dennoch einige vergessen worden sein, dann bittet der Verfasser dieses Beitrages um Entschuldigung. Diese Entschuldigung beziehe ich auch auf die Jungen. Bei den Jungen die 1951 die Schule verließen, zeigten sich, was den späteren Verbleib anbetrifft, ähnliche Tendenzen. Nur wenige wurden in Laage sesshaft bzw. kehrten nach der Berufsausbildung nach Laage zurück. Günter Kempke, Erich Schmidt. Erich Bockholt, Heinz Zeese und Helmut Liedtke wohnen heute noch in Laage. Karl – Ludwig Krüger und Dieter Bohnhoff wohnten ebenfalls bis zu ihrem Ableben in Laage.

Einige wenige, wie Dieter Hagemann, Horst Kellermann, Siegfried Schulz, Fritz Weidemann und Ernst- August Dahl wohnen noch in der näheren Umgebung von Laage bzw. in Mecklenburg/Vorpommern. Etwas weiter verschlagen hat es hingegen Konrad Wegner und Gerhard Ahrens, Hamburg und die Steiermark ist ihr jetziges Zuhause. Bei unserem Schulfreund Konrad Wegner muss ich leider hinzufügen, es war einmal sein Zuhause. Er hat uns inzwischen für immer verlassen.

Es ist schwierig, den Verbleib aller Mädels und Jungen vollständig nachzuvollziehen, aber ich denke, dass es gelungen ist, einen großen Teil aller Mädels und Jungen erfasst zu haben. Bevor ich jedoch den ersten Teil dieses Beitrages beende, möchte ich noch auf eine ganz spezielle Entwicklung in unserer Berufsausbildung verweisen, die auch bei einigen von uns zur Anwendung kam. Es ist der Weg der Berufsausbildung über die Oberschule in Vorbereitung zur Hochschulausbildung. Diese Möglichkeit war für uns gegeben, aber sie war an gewisse Voraussetzungen gebunden, die politisch gesetzt waren. Bevorzugt wurden danach Arbeiter- und Bauernkinder, besonders an Oberschulen mit Internatsunterbringung. An die Geschwister-Scholl-Oberschule in Bützow wurden für das Schuljahr 1951/1952 folgende Mädchen und Jungen mit folgendem Herkunftshintergrund delegiert: 5 Schulabgänger, und zwar Eva-Maria Ditschkowski, Eleonore Lüdtke, Gerlinde Nothnagel, Manfred Grützner und Konrad Wegner, als Flüchtlings- und Umsiedlungs- kinder, 3 Schulabgänger, und zwar Gerhard Ahrens, Günter Gaevert und Ernst-August Dahl als Arbeiter- kinder und 1 Schulabgänger, und zwar Margarete Frank, als Tochter eines ehemaligen Laager Großhändlers.

Die Oberschule in Rostock besuchten zwei Schulabgänger: Ingrid Witte, als Tochter eines Bäckermeisters und Ingrid Gosselck, als Tochter einer Arztfamilie.

Bis auf Margarete Frank, selbige verließ kurz vor dem Abitur die DDR, machten fast alle ihr Abitur und begannen danach ein Studium. Etwa ab 1959/1960 standen dann alle im Berufsleben. Nach Laage kehrten nur Gerhard Ahrens als Zahnarzt und Günter Gaevert als Lehrer für Sport und Geographie zurück. Ernst-August Dahl studierte Ingenieurökonomie für Schiffbau, arbeitete ab 1960 zunächst einige Jahre auf der Warnowwerft, danach bis 1994 im VEB Fischkombinat Rostock, heutiger Wohnort Bad Doberan. Ingrid Schmieder, geborene Witte, studierte Pharmarzie, arbeitete als Apothekerin in Rostock und wohnt heute in Kessin bei Rostock. Ingrid Behrmann, geb. Gosselck, nahm zunächst ein Medizinstudium auf, wechselte aber dann die Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin und wohnt heute in Kassebohm bei Rostock. Manfred Grützner wurde nach dem Studium Staatsanwalt in Potsdam und ist nach der Wende nicht mehr auffindbar. Konrad Wegner, der gleich nach dem Abitur in den Westen ging, musste dort das Abitur wiederholen, heute sagt man in solchen Fällen gerne, er musste ein Jahr „Schauspielschule“ nachholen. Danach wurde er Zollinspektor in Hamburg und schlug die Beamtenlaufbahn ein.

Erinnert sei an dieser Stelle auch an Margarete Frank, Tochter eines in der Bahnhofstraße wohnenden ehemaligen Getreide- und Kohlegroßhändlers. Die ganze Familie verließ 1954 die DDR in Richtung Westen. Unsere damalige Mitschülerin kehrte nach der Wende als verheiratete Knickmeier nach Laage zurück und wohnte mit ihrer Familie bis zu ihrem Tode im Jahre 2013 in ihrem Geburtshaus in der Bahnhofstraße. Die drei zum Schluss noch verbleibenden ehemaligen Oberschulabsolventinnen, wie Leonore Budak, geborene Lüdtke, Eva-Maria Romann, geborene Ditschkowski und Gerlinde Lohse, geborene Nothnagel, verbringen ihren Lebensabend in Namibia, Süddeutschland und in Rostock.

Mit dem Beginn des Berufslebens setzte dann ein Zeitabschnitt ein, wo zwischen den ehemaligen Schülerinnen und Schülern die Kontakte geringer wurden. Erst nach der Wende begann in dieser Hinsicht ein Umdenken und der Wunsch nach Begegnungen und Erinnerungen nahm wieder zu und führte in den folgenden Jahren bis zur Gegenwart zu regelmäßigen Klassentreffen. Über eine Zeit von über 25 Jahre führen wir nun schon regelmäßig unsere Klassentreffen durch. Trafen wir uns in den ersten Jahren nach der Wende zunächst alle zwei Jahre, so treffen wir uns nunmehr jedes Jahr und das immer mit einem relativ großen Zuspruch. Zwar haben wir die Anzahl der Teilnehmer an unserem ersten Treffen nach der Wende nie mehr übertroffen, denn damals waren es über 50 Teilnehmer. Gegenwärtig sind es immerhin noch 20 bis 25 Teilnehmer und das in einem Alter von bereits über 80 Jahren.

Wir können somit in dieser Hinsicht auf eine gute Tradition zurückblicken. Die Geschichte unserer Klassentreffen folgt in einem 2. Teil.

Quellen

Eigene Lebenserinnerungen und Zuarbeiten von Mitschülern. Artikel im Laager Regionalanzeiger vom September 2016 mit dem Titel: „In Laage gab es einmal ein Kino“ von Maria-Luise Heller


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